Spektakuläre Weinerlebniswelt in Bordeaux

Was ist das bloß für ein überdimensionales Dekantiergefäß am Ufer der Garonne in Bordeaux? Die Cité du Vin, das neue Wahrzeichen der Stadt. Im Juni 2016 hat dieses Weinmuseum, besser: diese Weinerlebniswelt, ihre Pforten geöffnet. Bordeaux ist damit um eine Attraktion reicher geworden. Die Experten von Lonely Planet halten sie für die Trend-Destination Nummer 1 für das Jahr 2017. Falstaff berichtet im ersten Heft 2017 darüber.

Hält die Weinerlebniswelt, was die spektakuläre Architektur verspricht? Ich hatte noch im Juni während der Teilnahme an einer Konferenz der American Association of Wine Economists (AAWE) Gelegenheit, ihr einen Besuch abzustatten. Die Ausstellung befindet sich nicht im ganzen Gebäude, sondern nimmt zwei Ebenen ein. Die Gestaltung wird von der Digitalisierung geprägt; Videos/lme stellen de wichtigsten Gestaltungselemente dar. Obwohl die einzelnen Präsentationen zumeist gut gelungen sind, erschlägt die Fülle der Filmsequenzen den Betrachter. Ermüdung ist die Folge.

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Weinregionen auf Großleinwänden
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Winzer aus aller Welt

Gleich zu Beginn empfangen mehrere Großleinwände den Besucher. Endlos laufen Filme, die wichtige Weinregionen der Welt in schönen Bildern darstellen und Lust auf eine Reise dorthin machen. Erfreulichicherweise gibt es keine Fokussierung auf den Weinbau Frankreichs.
Besonderes Interesse ruft eine Sektion hervor, die von Winzerpersönlichkeiten weltweiter Weinregionen geprägt wird. Der Besucher kann für verschiedene Weinbauländer zwischen einzelnen Filmen wählen, in denen Winzer ihre Weinregion und ihre Philosophie erläutern.

Wie in jedem guten Weinmuseum darf eine umfangreiche Duftbar nicht fehlen. Die Besichtigungstour endet schließlich im obersten Stockwerk mit einer Verkostung. Sie ist gepaart mit einer schönen Aussicht auf die Garonne und die architektonisch ebenfalls sehenswerte Chaban Delmas-Liftbrücke, die größte ihrer Art in Europa. Aus der unscheinbaren Flußüberquerung wird erst ein interessants Bauwerk, wenn die Fahrbahn bei Ankunft eines Kreuzfahrtschiffs wie ein Lift hochgefahren wird.

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Die größte Liftbrücke Europas

Insgesamt gesehen lohnt sich der Besuch der Cité du Vin, erfüllt jedoch nicht die hoch gesteckten Erwartungen. Die Weinwelt ist jedenfalls kein Grund, extra wegen ihres Besuchs nach Bordeaux zu reisen. Andererseits ist Bordeaux eine sympathische und kulturell interessante Stadt in einer attraktiven und weltbekannten  Weinregion, die eine Reise alle Mal wert ist. Einmal dort, sollte der Besuch der Cité du Vin auf jeden Fall zum Besichtigungsprogramm zählen. Bei Tripadvisor gebe ich vier von fünf Punkten.

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Zukunft des Weintourismus

Während reine Weinreisen einen Nischenmarkt darstellen, nimmt die Bedeutung von Reisen zu, bei denen die Motivation aus einer Kombination aus Interesse am Wein und anderen Aktivitäten besteht. Zum Beispiel zählt der Radtourismus in Weinregionen zu einem nicht unerheblichen Volumenmarkt in einigen deutschen und österreichischen Weinregionen.
Ziel einer Untersuchung, die auf der Konferenz der European Association of Wine Economists an der Universität Colmar von mir Ende Mai 2016 vorgestellt wurde, war die Identifikation von weintouristischen Trends auf der Grundlage gesellschaftlicher Megatrends. Welche der touristischen Trends werden in Zukunft auch den Weintourismus verändern?

Festzustellen ist, dass die aus den Megatrends abgeleiteten touristischen Branchentrends nicht unbedingt auf den Markt der Weinreisen übertragen werden können. Nach Ansicht der in dieser Untersuchung befragten Experten lassen sich vor allem Schwerpunkte erkennen, die mit dem Megatrend Individualisierung im Zusammenhang stehen. Angebote, die individuelle Wünsche berücksichtigen, stehen hoch im Kurs. Dazu gehören doe so genannten „Wein und …“-Produkte (Dreyer/Müller 2011), bei denen Wein in Verbindung mit anderen Angeboten steht. Beispiele gefällig: Wandern am Ahrsteig, Radeln an der Mosel, Kulinarisches Wochenende in der Wachau etc.

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Zu den allgemeinen touristischen Trends, die von Seiten der Experten auch im Weintourismus erwartet werden, zählen auch Erlebnisinszenierung (Reeh/ Liebscher 2010), Eventisierung (Hall/ Mitchell 2008; Hede 2008) und Servicequalität (Ratz/Dreyer 2014; Rainer/Filippi 2013; Lun et al. 2013). Nach Ansicht der Experten werden Edutainment-Angebote keine besondere Rolle spielen. Dies erstaunt mich sehr, da nach meiner Erfahrung viele Besucher in Weinregionen mehr über den Wein, seine Erzeugung und Lagerung wissen wollen.
Der Megatrend Gesundheit wird zumindest nicht als relevanter Hemmnisfaktor gesehen. Im Zusammenhang mit Wein/Aktiv-Angeboten (z.B. Weinreisen mit dem Rad) spielt er sogar eine positive, ergänzende Rolle. Wer mehr über moderaten Weingenuss erfahren will, kann die Seite wine in moderation  aufrufen.

Eine Zusammenfassung (Abstract) zur Untersuchung ist hier zu finden: Zukunft des Weintourismus

Dresdens schönste Straußwirtschaft

Wir radeln flussabwärts am Elbufer entlang und passieren auf der rechten Seite das „Blaue Wunder“. Vor uns taucht die Waldschlösschenbrücke auf, die die Ursache für die Streichung des Sächsischen Elbtals von der Welterbeliste der UNESCO ist. Rechts von uns oberhalb liegt Schloss Albrechtsberg. Steile Weinberge säumen den Weg. Unten findet man ab und zu Tore in den Trockenmauern. Wir entscheiden uns für den Besuch der Weingalerie Dr. Müller, stellen unsere Fahrräder ab, gehen durch die Maueröffnung und erklimmen die steilen Stufen inmitten des Weinbergs, um auf die Terrasse der Straußwirtschaft zu gelangen.

Oben empfängt uns ein sympathisches, rustikales Ambiente mit einer tollen Aussicht auf die Elbe und die Silhouette von Dresden. Ein grandioses Fleckchen Erde. Es gibt Flammkuchen und andere leckere Kleinigkeiten zu den Weinen von Dr. Müller. Die Weine sind frisch, preiswert und gerade richtig für einen warmen Sommertag (Achtung! Öffnungszeiten im Internet nachschauen – meist nur Samstag, Sonntag und an Feiertagen in der Weinsaison).

Wir sind Wochenendurlauber in Dresden, nicht zum ersten Mal hier und bestimmt auch nicht das letzte Mal. Es gibt nur wenige Orte in Deutschland, in denen man Kultur, Radeln und Weingenuss so perfekt verbinden kann. Für Freunde des Weins und der Kulinarik wartet schließlich auch noch Schloss Wackerbarth!

 

Windows, Whiskas, Württemberg – was können Weinregionen von großen Marken lernen?

Weinreisen werden immer beliebter. Aber wo sollen man hinfahren? Welche Weinregion ist besonders attraktiv? Keine Frage: die Weingebiete stehen in einem nicht zu unterschätzenden Wettbewerb untereinander. Guten Wein muss es geben, aber er alleine reicht selten aus, um Gäste zahlreich anzulocken. Was braucht es noch, um sich erfolgreich im Markt von Wein und Reisen zu positionieren? Und können Weinregionen auch etwas von großen Konsumsmarken lernen? Diesen Fragen ging ich bei meinem Vortrag auf dem 4. Weintourismustag Württemberg am 27. April 2016 in Öhringen nach.

Was eine echte Marke ausmacht, kann man in Kürze sagen. Es braucht ein unverwechselbares Produkt, gleichbleibende und gute Qualität und die Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln. Und schließlich muss man bei den Konsumenten bekannt sein und über ein gutes und markantes Image verfügen. Bei Apple und BMW funktioniert das, in touristischen Zielgebieten fällt die Verwirklichung dieser Anforderungen jedoch nicht so leicht. Jeder Hotelier, jeder Winzer, jeder Gastronom jeder Händler betreibt zunächst einmal sein eigenes Marketing und kocht nicht selten sein eigenes Süppchen. Um aber als Destination erfolgreich zu sein, bedarf es einer guten Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Der Gast nimmt sein Reiseziel als Ganzes wahr. Attraktive Weingüter sind nur die Hälfte wert, wenn es in Hotellerie und Gastronomie nicht stimmt. Deshalb ist eine gute Kooperation das Kernstück des Erfolgs einer Weinregion. Es gilt, auf die individuellen Bedürfnisse der Gäste einzugehen und mit Gastfreundschaft und schönen Erlebnissen Sympathie zu erzeugen. Sie suchen eine Region, der dies besonders gut gelungen ist? Dann empfehle ich einen Besuch in Südtirol. Die Orte an der Südtiroler Weinstraße, allen voran Kaltern, haben es geschafft, sich mit gesteigerter Weinqualität, attraktiven Weingütern, erneuerten  Beherbergungsbetrieben und einer Küche, die die Balance zwischen dem Einsatz typischer regionaler Produkte und einem modernen Touch gefunden hat, zu positionieren.

Das Reisebuch „Wein erleben in Südtirol“ ist ein idealer Begleiter zu ausgewählten Weingütern mit einigen touristischen Tipps. Wer es etwas wissenschaftlicher haben möchte, kann sich im Tagungsband des 3. Symposiums der Kommission Weintourismus/ Kulinarik der Deutschen Gesellschaft Tourismuswissenschaft über die jüngere die Geschichte des Weindorfs Kaltern informieren (EURAC-Verlag, Bozen 2013).

Klosterhof DREYER

Zwei Tipps zu Betrieben, die eine herrliche Kombination von Weingut und Beherbergung bieten, sind der Klosterhof in Kaltern (Foto links mit Blick auf den Swimmingpool inmitten der Weinberge) und der Stroblhof in Eppan, dessen frisches Cuvee „Strahler“ Sie bei einem Besuch des hervorragenden Restaurants probieren sollten.

 

Haben Apple und eine Weinregion etwas gemeinsam?

Dieser Frage gehe ich am Mittwoch, 27. April 2016, bei einem Vortrag auf dem 4. Weintourismustag Württemberg in Öhringen nach. Können Weinregionen eine Marke sein? Theoretisch schon. Praktisch gibt es einige Hindernisse, die man kennen muss, um erfolgreiches Marketing für Weinregionen zu betreiben.
So viel ist sicher: eine Marke braucht Bekanntheit, Wiedererkennung, bedürfnisgerechte Produkte und ein Qualitätsversprechen. Südtirol macht vor, wie es geht! Und das Weindorf Kaltern ganz besonders. Im Bild die Kellerei Kaltern, eine Genossenschaft die mit ihrem winecenter Tradition und Moderne gut miteinander verbunden und Impulse für die Entwicklung Kalterns gesetzt hat.

Wein-Wander-Wochenende

Wein in Verbindung mit Aktivitäten zu erleben ist „in“. Das hat auch das Deutsche Weininstitut (DWI) erkannt und promotet die Kombination von Wein und Wandern schon seit einigen Jahren. Für den 23. und 24. April 2016 hat das DWI ein bundesweites WeinWanderWochenende ausgerufen. Zur Auswahl stehen über 170 Wanderungen mit abwechslungsreichen Weingenüssen und –erlebnissen, die zum Entdecken der deutschen Weinregionen einladen. Ein Überblick findet sich auf der Homepage des DWI.

Die Angebote sind sehr vielfältig. Im Trend liegen Kombinationen mit anderen Genussangeboten und Verkostungen. Besonders viele interessante Angebote hält das kleine Weinbaugebiet Sachsens um Meißen, Radebeul und Dresden bereit.

P1070561aEin persönlicher Tipp ist die Ahr. Wer von Dernau aus auf dem Rotweinwanderweg in Richtung Ahrweiler unterwegs ist, sollte einen Einkehrschwung im Kloster Marienthal (Foto) einplanen. Es warten ein wunderschönes Ambiente und als Spezialität leckere Flammkuchen.
Kloster Marienthal wird übrigens von den bekannten Weingütern/Genossenschaften Meyer-Näkel, Brogsitter, Dagernova und Mayschoß-Altenahr betrieben. Deren Weine können dort verkostet werden.
Weißwein-Fans kommen in Deutschlands Rotweingebiet Nr. 1 auch auf ihre Kosten. Alle Winzer erzeugen auch einen Blanc de Noir, also einen Weißwein aus roten Trauben. Und auch die wenigen Rieslingweine (7% der Anbaufläche) sind meist ein Genuss!